Gebäudehülle Schweiz

    Beiträge:

    Kategorien:

Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit bei Fenstern und Fensterelementen

Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit bei Fenstern und Fensterelementen

Teil 6 der Fenster-Serie: Die Schweiz verfolgt das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. Der Gebäudepark spielt dabei eine zentrale Rolle.

Technik

Text: Markus Hobi | Foto: shutterstock.com

Fenster und Fensterelemente leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Reduktion des Energieverbrauchs und der CO₂-Emissionen. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und Wiederverwertung entlang des gesamten Lebenszyklus zunehmend an Bedeutung. Im Arbeitsalltag stehen für viele Unternehmen Termine, Kosten, Fachkräftemangel und die erfolgreiche Umsetzung von Projekten im Vordergrund. Solange keine gesetzlichen Vorgaben bestehen und die Auftragslage gut ist, erscheint die Kreislaufwirtschaft häufig als Zukunftsthema. Tatsächlich werden jedoch bereits heute die Grundlagen für den Materialkreislauf der kommenden Jahrzehnte gelegt. Konstruktion, Materialwahl und Dokumentation bestimmen wesentlich, ob Fenster künftig repariert, wiederverwendet oder hochwertig recycelt werden können.

Eine langfristige Aufgabe

Fenster und Fensterelemente weisen je nach Material, Beanspruchung und Unterhalt eine Nutzungsdauer von 25 und mehr Jahren auf. Die heute eingebauten Produkte werden deshalb erst in Zukunft für Rückbau, Wiederverwendung oder Recycling relevant. Oder anders gesagt: Ein heute gebautes Fenster wird erst nach dem Jahr 2050 ersetzt werden müssen. Für Hersteller und Fensterbauer liegt der Fokus heute verständlicherweise auf Planung, Produktion, Montage und Service. Die eigentliche Kreislaufwirtschaft beginnt jedoch oft erst viele Jahre nach dem Einbau. Genau darin liegt eine besondere Herausforderung für die gesamte Branche.

Der Gebäudepark als Rohstofflager

Der Schweizer Gebäudepark umfasst rund 3,1 Millionen Wohnungen mit schätzungsweise 94 Millionen Fenstern. Darin sind erhebliche Mengen an Glas, Holz, Kunststoffen und Metallen gebunden: 3,4 Millionen Tonnen verbautes Glas, 1,7 Millionen Tonnen Holz in Fenstern, sowie 400 000 Tonnen Kunststoff in Fenstern. Mit den kommenden energetischen Erneuerungen werden diese Materialströme kontinuierlich zunehmen. Damit entstehen nicht nur neue Markt-potenziale für die Branche, sondern auch neue Anforderungen an Rückbau, Logistik, Sortierung, Wiederverwendung und stoffliches Recycling. Angesichts dieser Materialmengen ist es sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, tragfähige Konzepte für geschlossene Materialkreisläufe zu entwickeln. Ressourcen werden geschont, Wertstoffe bleiben erhalten und gleichzeitig entstehen neue wirtschaftliche Chancen für die Branche.

Arbeitsgruppe gegründet

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte zum Thema Fensterrecycling und «ReUse» durchgeführt. Gleichzeitig existieren bereits erfolgreiche Recyclinglösungen, beispielsweise für Kunststoffprofile. Dennoch fehlt häufig die Koordination zwischen Forschung, Industrie und Praxis. Teilweise werden ähnliche Fragestellungen mehrfach bearbeitet oder Ergebnisse lassen sich nur eingeschränkt in den Markt übertragen. Aus diesem Grund hat der Fachverband die Arbeitsgruppe «Kreislaufwirtschaft Fenster- und Fensterelemente» ins Leben gerufen. Ziel ist es, bestehende Aktivitäten zu bündeln, Wissen zusammenzuführen und praxistaugliche Lösungen gemeinsam mit der Branche zu entwickeln.

Gemeinsam entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft kann nur entstehen, wenn sämtliche Beteiligten zusammenarbeiten. Deshalb vereint die Arbeitsgruppe Vertreter aus den Bereichen Zulieferindustrie, Fensterbau, Montage, Logistik, Rückbau, Recycling, «ReUse», Forschung und Ausbildung sowie Verbände, Behörden und institutionelle Bauherrschaften. Damit werden sämtliche Phasen des Lebenszyklus eines Fensters berücksichtigt – von der Produktentwicklung bis zur hochwertigen Wiederverwertung. Die Arbeitsgruppe will die Branche bei der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft unterstützen, bestehende Projekte, In-itiativen und Akteure vernetzen sowie kreislauffähige Produkte, «ReUse»- und Recyclinglösungen fördern.

Besonderes Gewicht liegt dabei auf der Produktentwicklung, da bereits in der Planungs- und Konstruktionsphase die entscheidenden Voraussetzungen für einen späteren Materialkreislauf geschaffen werden

Mitglied werden.

Eine Mitgliedschaft bei Gebäudehülle Schweiz erleichtert Ihnen den Arbeitsalltag und verschafft Ihnen einen Informationsvorsprung am Markt.

© Gebäudehülle Schweiz