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Seelenfutter «Wir und sie»

Seelenfutter «Wir und sie»

Gerade beim Fussballschauen lässt sich amüsant auch das Spiel der Wahrnehmung zwischen «wir» und «sie» beobachten. Und da sind noch die Deutschen …

Verband

Neulich haben wir am Fernsehen einen Match verfolgt. Die Schweiz gegen die Türken, glaube ich. Da regt sich der Dicke fürchterlich auf über diese faulen Pfeifen, die träge und viel zu langsam sind. So können die nie gewinnen, eine Schande! Es tönt so, als könnte er es viel besser. Langsam begann ich zu begreifen, was da abläuft.

Stellvertreter auf dem Spielfeld

Wir, die Zuschauer, werden zu Spielern, wir sind die eigentlichen Fussballer, auch wenn wir überhaupt nicht Fussball spielen können. Wir sind die Spieler, wir sind die Kenner und Könner, die Profis, und jene am Fernsehen sind nur unsere Stellvertreter. So wie die Mondfahrer, die stellvertretend für uns auf dem Mond waren. Wir, wir Menschen, waren auf dem Mond. Wir, wir Schweizer, haben die Türken geschlagen und weil wir, wir Schweizer, die Türken geschlagen haben, haben wir eben nicht nur die türkische Mannschaft geschlagen, sondern gleich die türkische Nation. Ich glaube, wir sollten dieses «Wir» ernst nehmen und im Auge behalten. Ganz anders ist es, wenn die Schweiz verliert. Wenn die Slowaken oder die Iren oder die Spanier gegen die Schweiz gewinnen, dann haben nicht wir, wir Schweizer, verloren, sondern «sie». «Sie» haben dann verloren. Dann haben «sie» versagt, am Ende ist es der Xhaka ganz allein. «Wir» gewinnen und «sie» verlieren. Ich verstehe nichts von Tiefenpsychologie und weiss nicht, wieso das so ist. Aber einen Grund muss es ja haben.

Deutsche sind eigene Liga

Und noch einmal ganz anders ist es, wenn die Deutschen spielen. Egal gegen wen, die Schweizer interessieren sich dafür. Und insgeheim hoffen viele, dass die Deutschen verlieren. Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass uns Schweizer eine Niederlage der Deutschen mehr freut als ein eigener Sieg. Mir scheint, dass sich das «Völker verbindende Element» des Fussballs noch nicht zur vollen Blüte entfaltet hat.

Ihr Beat Brülhart

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