
Zürcher Ziegeleien AG: Solarenergie mit Ziegelcharakter
Im bernischen Aarwangen wurde ein alter Gasthof umfassend erneuert. Dabei kam das Photovoltaik-Modul Unitas der Zürcher Ziegeleien zum Einsatz.
Aus der Praxis
Objekt
Fotos: Dirk Podbielski Architekturfotografie
Anfang Oktober herrscht auf der Baustelle in Aarwangen noch emsiges Treiben. Während vor dem Haus der Gartensitzplatz gestaltet wird, laufen im Gebäudeinnern die letzten Arbeiten an den Küchen. Sind Innenausbau und Umgebungsarbeiten abgeschlossen, steht dem Bezug des auffälligen Mehrfamilienhauses mit insgesamt vier Mietwohnungen nichts mehr im Weg. Im bernischen Oberaargau wurde ein ganz besonderes Umbauprojekt realisiert. Der ehemalige Gasthof Eintracht – einst ein beliebter Treffpunkt im Dorf – wurde ab 1919 schrittweise errichtet. Zuletzt präsentierte sich das historisch gewachsene Ensemble aus zwei zusammengeschobenen Gebäudeeinheiten und einem kleinen Anbau in einem bedenklichen Zustand. Die neue Eigentümerin entschied sich, das in einem Strassendreieck liegende Gebäude von Grund auf zu erneuern und Wohnzwecken zuzuführen.

Statische Ertüchtigung
Die Renovation umfasste unter anderem die energetische Modernisierung des gesamten Baus, inklusive Austausch aller Fenster, des Ersatzes der ehemaligen Stallung sowie der Erweiterung des Gebäudes um einen zusätzlichen Anbau mit Dachterrasse. Während sich der Dachstuhl in einem überraschend guten Zustand befand, galt es vor allem im Bereich des ehemaligen grossen Saales, verschiedene Zimmermannsarbeiten zu erledigen. Aufgrund von Einsturzgefahr war der Saal jahrelang nicht begehbar gewesen. Zahlreiche Balken mussten statisch ertüchtigt werden, ehe die weiteren Arbeiten im oberen Stockwerk sowie auf dem Dach ausgeführt werden konnten. Hervorzuheben ist die Modernisierung der beiden Krüppelwalmdächer mit Kreuzfirst. «Es war von Beginn weg klar, dass eine Indach-Photovoltaik-Anlage installiert werden soll», erklärt Thomas Kläntschi, der die Dacharbeiten verantwortete. Die markante Dachform des Gebäudes verlangte nach einer besonderen Lösung. Kläntschi, der bereits mit verschiedenen Photovoltaik-Systemen gearbeitet hatte, brachte das Photovoltaik-Modul Unitas der Zürcher Ziegeleien ins Spiel.
Zeitsparende Montage
Für den Dachdecker war vor allem die einfache Montage des Panels ausschlaggebend. Die Abmessungen eines Moduls entsprechen exakt jenen von vier Zehner-Ziegeln der Zürcher Ziegeleien. Wie normale Ziegel werden die Module auf die Dachlattung gelegt und mit den gängigen Befestigungsmitteln fixiert. «Der Schiebebereich der Module von bis zu vier Zentimetern erleichtert das Arbeiten bei solchen Dacherneuerungen enorm», erklärt Kläntschi. «Hilfreich ist auch, dass die Module in verschiedene Richtungen verlegt werden können.» Die Bauherrschaft konnte indes von der Ästhetik überzeugt werden. Die installierte Photovoltaik-Anlage in Aarwangen fällt erst bei genauem Hinsehen auf. Zusammen mit farblich passenden Ziegeln – in Aarwangen wurden Swiss TL nero verlegt – ergibt sich ein homogenes Erscheinungsbild. Mit den kleinen und leistungsfähigen Modulen, deren Endmontage im aargauischen Strengelbach erfolgt, können die Flächen der Krüppelwalmdächer optimal ausgeschöpft werden. Das markante Dach ist ein zentrales Element der Architektur des Gebäudes. Zum gewohnten Eindruck der für die Region typischen Dachform trägt der Ziegelcharakter des Photovoltaik-Moduls bei.
Die Erneuerung des Daches umfasste den kompletten Ersatz des Dachaufbaus. Durch das Aufdoppeln der Sparren und die Ergänzung einer Holzfaserdämmung wurde die Trag- und Dämmkonstruktion verbessert. Neue Unterdachfolien sowie Konter- und Ziegellattung bilden den Abschluss des modernisierten Unterdachs. Die durch den Zimmermann neu erstellten Lukarnen bringen viel Tageslicht in die ehemalige Dienstwohnung im Dachstock.
Leistungsfähige Anlage
Auf der 318 Quadratmeter grossen Dachfläche wurden ost-, süd- und westseitig 315 Unitas-Module von je 60 Watt-Peak mit einer Fläche von 126 Quadratmetern und einer Leistung von 18,96 Kilowatt-Peak installiert. Zwei Wechselrichter und eine Wärmepumpe gewährleisten eine effiziente und bedarfsgerechte Energieversorgung des Gebäudes.
Besonderes Augenmerk wurde auf die effiziente Hinterlüftung gelegt, denn diese ist entscheidend für die Leistungsfähigkeit dachintegrierter Photovoltaik-Anlagen. Die zirkulierende Luft kühlt die Module und führt so zu einer Ertragssteigerung. In Aarwangen wurde nebst Lüfterziegeln das Firstentlüftungsprofil Filü eingesetzt, das eine maximale Austrittsöffnung bei der Hinterlüftung sicherstellt. «Das Firstentlüftungsprofil ist ein ungemein benutzerfreundliches Produkt, das ich oft und gerne benutze», so Thomas Kläntschi.

Konsequente Gestaltungssprache
Das Gebäude sticht in der gewachsenen Umgebung mit seinem besonderen Farbkonzept hervor. Ausgehend vom Dach mit seinen dunklen Solarpanels und Ziegeln wird das Gestaltungsprogramm an den Fassaden weitergeführt. Auf einer kreuzweise verlegten Holzunterkonstruktion wurden vorgehängte Fassadenelemente aus Aluminium installiert. Während bei den Hauptbauten dunkelgrau dominiert, sticht das neu erstellte Treppenhaus mit seiner hellen Gestaltung hervor. Auffällig sind auch die Balkon- und Treppengeländer. In den schwarz gehaltenen Metallrahmen wurden feuer- und reissfeste Kletterseile von Hand eingespannt. Jedes Geländer erhält so eine individuelle Gestaltung.
Mit der Erneuerung des ehemaligen Gasthofes hat die Bauherrschaft ein charaktervolles Projekt umgesetzt. Der modernisierungsbedürftige Bestand wurde nach aktuellen Standards instand gesetzt und bietet der neuen Bewohnerschaft für viele Jahre ein hochwertiges Zuhause.
«Der Schiebebereich der Module von bis zu vier Zentimetern erleichtert das Arbeiten bei solchen Dacherneuerungen enorm.»
Thomas Kläntschi, Verantwortlicher Dacharbeiten
