
Flachdach reloaded
Im «Health Valley», zwischen Genf und Bern, setzt das Innovationszentrum PULSE in Cheseaux-sur-Lausanne neue Akzente.
Aus der Praxis
Objekt
Fotos: Paul Bauder AG
Wer an Hightech-Cluster denkt, denkt oft an Silicon Valley. Kaum jemand weiss, dass in der Westschweiz ein eigenes «Health Valley» wächst – ein Standortnetzwerk von Biotech-, Medtech- und Pharmaunternehmen zwischen Genf, Lausanne und Bern. Mitten in diesem Ökosystem liegt in Cheseaux-sur-Lausanne das neue Innovationszentrum «Pulse». Es bietet Raum für Start-ups und etablierte Firmen aus der Gesundheits- und Technologiebranche – und zeigt zugleich, wie Gebäude selbst Teil einer zukunftsorientierten Infrastruktur werden können. Die beiden verbauten Gebäude von «Pulse» umfassen über 43 000 Quadratmeter frei modulare Mietfläche oberirdisch und 28 000 Quadratmeter unterirdischen Raum für Lager, Technik und Parkierung. «Pulse» bietet Flächen mit Deckenhöhen von 3 bis 5,8 Metern und Bodenlasten zwischen 0,5 und 2 Tonnen pro Quadratmeter. Zwölf Laderampen stehen zur Verfügung. Die ISO5/Grade A‑tauglichen Lüftungssysteme erlauben sterile Labore und Hochtechnikanwendungen.

Mehr als Hülle
Die weitläufigen Flachdächer und begrünten Innenhöfe sind nicht einfach «nur» Hülle bei «Pulse», sondern funktionale Ebenen mit Mehrwert. Sie vereinen Abdichtung, Wärmedämmung, Photovoltaik, Regenwasserrückhaltung und Biodiversität in einem integralen Dachsystem. Ergänzt wird das Konzept durch Geothermie und grosszügige Grünflächen. Der Bau startete 2022 und wurde im Mai 2025 eröffnet – ein sichtbares Zeichen dafür, wie Technik und Natur in der Gebäudetechnik zusammenfinden. «Pulse» wurde am 16. Mai feierlich eröffnet – zehn Jahre nach Projektvergabe 2013.
Nachhaltigkeit auf allen Ebenen
«Pulse» ist Minergie- und BREEAM-zertifiziert und setzt auf konsequente Ressourceneffizienz. Über 1 000 Photovoltaik-Module liefern jährlich mehr als 310 Megawattstunden Strom aus erneuerbaren Quellen. Die Wärmeversorgung erfolgt über Geothermie: 80 Bohrungen in 320 Metern Tiefe speisen zwei Wärmepumpen mit je 200 Kilowatt Leistung. Dieses Zusammenspiel aus Solarenergie und Erdwärme macht das Gebäude weitgehend unabhängig von fossilen Quellen und senkt die CO₂-Emissionen erheblich. Auch das Umfeld ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt: Das Areal grenzt an Wald und landwirtschaftliche Flächen. Spazierwege, zwei naturnahe Mulden zur Regenwasserführung und die Pflanzung von rund 300 neuen Bäumen fördern Biodiversität und schaffen Erholungsräume. Aussenliegende Sitzbereiche sowie begrünte Innenhöfe verbinden Arbeit und Natur.
Dachsysteme mit Mehrwert
Insbesondere Städte stehen unter Druck: knapper Raum, zunehmende Hitzeperioden, häufigere Starkregenereignisse und steigende Energieanforderungen. Einfache Schutzdächer reichen nur noch bedingt. Die Dachsysteme von «Pulse» zeigen, wie Flachdächer heute zur aktiven Infrastruktur werden. Sie schaffen Aufenthaltsbereiche für Menschen und ökologische Rückzugsorte für Vögel, Insekten und Pflanzen. Gleichzeitig wirken sie als natürliche Klimaanlage. Die thermische Wirkung entlastet die Umgebung und reduziert den Kühlbedarf der Innenräume. Im Winter helfen die Vegetationsschichten, Wärmeverluste zu minimieren. Die Begrünung schützt ausserdem die Abdichtung vor UV-Strahlung und Temperaturschwankungen, was die Lebensdauer des Dachsystems verlängert. Zudem halten sie Regenwasser zurück. In verdichteten Gebieten fliesst Regenwasser oft zu schnell ab und belastet die Kanalisation. «Pulse» setzt auf ein Dachsystem, das Wasser speichert, verzögert abgibt und so den natürlichen Wasserkreislauf unterstützt.
Dauerhaft funktionsfähig
Technisch umgesetzt wurde die Begrünung mit Bauder Green DSE 40 als Drain- und Wasserspeicherelement in Kombination mit Pflanzensubstrat Bauder Green SUB Intensive. Damit entstehen Vegetationsflächen, die dauerhaft funktionsfähig, ökologisch wertvoll und pflegeleicht sind. Die Wasserspeicherplatten unter den Substratschichten übernehmen eine Doppelfunktion: Sie ermöglichen eine sichere Drainage und halten zugleich Wasser für die Vegetation zurück. Das Dach wird zum aktiven Bestandteil der Regenwasserbewirtschaftung, entlastet die Kanalisation und schafft eine wirkungsvolle Retentionsfläche im Gewerbegebiet.

Umsetzung mit Präzision
Die Ausführung des Dachsystems – von der Dampfbremse über die Wärmedämmung mit Bauder PIR, der Abdichtung bis zum Begrünungssystem – erfolgte von Juni bis Dezember 2024. Phida Étanchéité (VD) SA aus Renens erstellte das Dachsystem von der Dampfbremse bis zur Drainageschicht, während sich die passionierten Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner der Firma Menétrey SA um die Gestaltung der Innenhöfe kümmerten. Wie auf jeder Grossbaustelle war auch bei «Pulse» eine gute und genaue Abstimmung mit allen Gewerken erforderlich. Trotz engen Zeitplans und logistischer Herausforderungen konnte das Dach termingerecht fertiggestellt werden. Das gesamte Dachsystem wurde auf die Bedürfnisse des Bauherrn ausgerichtet und harmonisch in das Gesamtkonzept integriert. Früh in die Planung einbezogen stellten komplizierte Detailarbeiten und Lösungen bei Höheneinschränkungen kein Problem mehr dar. Auch bei solchen Herausforderungen liessen sich pragmatische Lösungen finden, ohne den Fokus auf das Ziel der Bauherrschaft zu verlieren. Die Zusammenarbeit war unkompliziert und effizient und stets mit Freude an der Sache verbunden.

«Gerade grosse Flachdächer bieten enormes Potenzial: Statt Regenwasser in die Kanalisation zu leiten, können Retentionsdächer es speichern, den lokalen Wasserkreislauf stärken und unser überlastetes Netz entlasten – ein Gewinn für Stadt und Umwelt.»
Adrian Loretz, Anwendungstechniker Paul Bauder
