
Innotech: Sicherheit und Flexibilität
Ein Industriegebäude in Zürich-Wiedikon erhält eine Holzaufstockung. Für die Unterhaltsarbeiten wurde das Innotech-System gewählt.
Aus der Praxis
Objekt
Text: Michael Staub | Fotos: Innotech AG
«Ein Seilsystem ist für die Benützer die einfachste Lösung, wenn kein Kollektivschutz möglich ist.»
Curdin Erne, Country Manager bei der Innotech Arbeitsschutz AG
Ein grosser Teil des Zürcher Binz-Quartiers befindet sich auf dem Areal einer ehemaligen Lehmgrube. Hier entstand nach dem Ersten Weltkrieg eine bunte Mischung von Industrie- und Gewerbebetrieben. Seit den späten 1990er-Jahren hat der Aufwertungsdruck zugenommen. Immer mehr Ersatzneubauten schiessen in die Höhe, während die kleinteiligen Zweckbauten und damit auch die Betriebe aus dem Quartierbild verschwinden. Eine Ausnahme bildet ein Abschnitt an der Grubenstrasse. Hier werden die Bestandsbauten bewusst erhalten, umgenutzt und nur teilweise mit neuen Baukörpern ergänzt. Das soll eine Nutzung während weiterer 20 bis 30 Jahre ermöglichen.

Seile fürs Sheddach
So auch beim ehemaligen Fabrikgebäude an der Grubenstrasse 29. Seit seiner Erbauung beherbergte es unter anderem eine Fabrik für Drahtgeflechte oder die «Procolor Genossenschaft für Malerarbeiten». Später wurden die Räume primär als Lagerflächen genutzt. Weil Gewerbeflächen in der Stadt Zürich ebenso knapp wie überteuert sind, wollte die Bauherrschaft Modissa Immobilien AG einen Gegenpol setzen. Deshalb wurde auf dem bestehenden Obergeschoss eine zweigeschossige Aufstockung im Holzständerbau realisiert. Der neue Baukörper umfasst acht neue Maisonette-Atelierräume, jeder unter einem eigenen Sheddach. Damit die Solaranlage wie auch die Dachflächen sicher gewartet werden können, wurde entlang der Dachkanten die Absturzsicherung AIO (All-In-One-System) von der Innotech Arbeitsschutz AG installiert. Ausgeführt hat die Arbeiten die AEZ AG Zürich. Beim bekannten Bedachungs- und Spenglereibetrieb war Projektleiter André Mattaj zuständig. «Während der Montage der Absturzsicherungen stand noch das Fassadengerüst der Aufstockungsarbeiten. Deshalb konnten wir die Montage sicher, schnell und komfortabel umsetzen», berichtet André Mattaj. Installiert wurden insgesamt 125 Meter des AIO-Systems. Zudem ergänzen 30 Einzelanschlagpunkte UNI-EAP-01 das Seilsystem.

Komfortabler Zustieg
Der Zugang zu den Sheddächern erfolgt in zwei Schritten: Auf der südlichen Stirnseite des Gebäudes führt eine erste Leiter auf das Dach des Laubengangs. Weil dessen Dachfläche entlang eines Fensterbandes verläuft, sichern sich die Begeher am AIO-Seilsystem. «Die Befestigung der Standardstützen war etwas knifflig», berichtet André Mattaj.
Die Aufstockung wurde nämlich mit Strohballen gedämmt und mit Lehm verputzt – ökologisch vorbildlich, aber nicht ganz so robust wie ein Massivbau. In Zusammenarbeit mit der Innotech Arbeitsschutz AG fand man eine gute Lösung. Um die Stahlträger, welche das Dachblech tragen, wurden eine obere und eine untere Platte geklemmt und mit starken Schrauben gesichert. Die obere Platte dient als Basis der Seilstützen. Diese sind zudem um 22 Grad von der Fassade weggeneigt. «So kann das Verbindungsmittel sicher laufen und sich nirgends verklemmen», sagt Curdin Erne, Country Manager Schweiz bei der Innotech Arbeitsschutz AG.
Sichere Leitern
Vom Laubengang führt eine zweite Leiter auf das hinterste Sheddach. Jedes der acht Dächer bietet jeweils drei Einzelanschlagpunkte für die Sicherung. Das 1,25 Millimeter starke Montana-Blech wurde dafür mit 30 Millimeter starken Holzplatten unterlegt. Mit jeweils 24 Selbstbohrschrauben wurde jeder einzelne Anschlagpunkt stabil verankert. «Da bewegt sich nichts mehr», kommentiert André Mattaj. Eine gute Idee war auch für die Befestigung der stationären Leitern gefragt, die jeweils vom Scheitelpunkt eines Sheddaches auf das nächste Sheddach führen. Denn die Trapezbleche liegen direkt auf dem Konstruktionsholz auf. Curdin Erne ist gelernter Zimmermann und fand deshalb eine pragmatische Lösung: Auf zwei Sparren wurde ein 12 × 14 Zentimeter starkes Querstück montiert. Damit erhielt man einen stabilen Untergrund für die Verschraubung der Halterungen. Diese wurden von der Innotech Arbeitsschutz AG auf Mass geschweisst. Eine Gewindestange führt durch den Trittholm und ist auf beiden Seiten mit einer Mutter gesichert. Auch hier bewegt sich nichts mehr.

Vorteile und Flexibilität von Seilsystemen
»Die Absturzsicherung bei dieser Aufstockung wurde zum grössten Teil mit einem Seilsystem gelöst. Welche Gründe sprachen dafür?
Ein Seilsystem ist für die Benützer oft die bequemste Lösung, wenn kein Kollektivschutz möglich ist. Deshalb empfehlen wir sie, wann immer möglich. Auf dem Laubengang wie auf den Sheddächern hatten wir hier ausreichend Platz für die Montage. Ebenso mussten keine Abschnitte mit Schienen überbrückt werden, was die Verankerung wiederum einfacher machte.
»Wie sehr lässt sich ein solches Seilsystem standardisieren?
Mit den normalen Seilstrecken und Standardstützen können viele Situationen abgedeckt werden. Spannend wird es bei speziellen Anforderungen an den Zustieg oder an den Wechsel von einer Dachfläche zur anderen. Normierte Halterungen sind hier zu wenig flexibel. Deshalb haben wir eine hauseigene Schlosserei, die auch kleine Stückzahlen millimetergenau auf Mass herstellen kann.
»Wie entwickelt sich Ihr Geschäft derzeit?
Wir sind sehr zufrieden mit dem Wachstum. Auch in diesem Jahr boomen die PV-Installationen, zudem werden immer mehr Aufbauten auf dem Dach platziert, etwa für die Gebäudetechnik. Zudem wird der Dachunterhalt immer wichtiger, etwa wegen Neophyten oder Ablaufproblemen. All das führt zu einer starken Nachfrage für Absturzsicherungen.

«Für die Montage der Absturzsicherung konnten wir das Fassadengerüst nutzen.»
André Mattaj, Projektleiter bei der AEZ AG Zürich
