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Gebäudegrün: Was der Zusatz ECO bei Minergie vorgibt

Gebäudegrün: Was der Zusatz ECO bei Minergie vorgibt

Zur Förderung der Klimaresilienz werden Dächer und Fassaden begrünt, um Hitzeinseln zu reduzieren und Biodiversität zu schützen. Was heisst das?

Energiezukunft

Text: Silvia Gemperle | Foto: shutterstock.com

Eine Erneuerung oder ein Neubau mit dem Zusatz ECO braucht Sorgfalt und ist gut machbar. Zusätzlich zu den Anforderungen der Minergie-Standards sind für die Bereiche Gesundheit und Ökologie Vorgaben in acht Themenfeldern zu beachten. Drei Ausschlussvorgaben wurden in der Fachzeitschrift GEBÄUDEHÜLLE 4 | 25 behandelt: Einsatz von Produkten, die Formaldehyd oder Lösemittel in relevanten Mengen emittieren, fehlende Untersuchung von Gebäudeschadstoffen sowie Einsatz von Montage- und Füllschäumen. In zwei weiteren der acht Themenfelder von Minergie ECO ist Gebäudegrün enthalten: Das sind Klimaresilienz und Biodiversität zusammen mit dem Wasserkreislauf.

Klimaresilienz
Zur Verhinderung von Hitzeinseln wird die Erwärmung von nicht begrünten Dächern, Fassadenflächen und Belägen im Aussenbereich reduziert. Nicht begehbare Flachdächer weisen eine geeignete Substratschicht für eine standortgerechte, artenreiche Begrünung auf. Auch Fassaden sollen begrünt werden, wobei auf die Bewässerung mit Trinkwasser verzichtet wird.

Biodiversität und Wasserkreislauf
Massnahmen für den Boden- und Tierschutz sind umzusetzen. Schwermetallhaltige, bewitterte Bauteile, Biozide und chemischer Wurzelschutz mit Einträgen in den Boden und das Grundwasser sind zu verhindern. Die vom Grundstück abfliessende Meteorwassermenge und der Frischwasserbedarf werden durch den Einsatz von effizienten Sanitärapparaten und Armaturen sowie eine Verwertung von Regen- und Grauwasser reduziert.

Produktreglement
Die Anforderungen werden bereits in einem frühen Stadium der Planung (Vorprojekt und Projektierung) miteinbezogen. Sie bilden gleichzeitig präzise Vorgaben für die Bauausführung. Während der Realisierung führt die Zertifizierungsstelle Qualitätskontrollen auf der Baustelle durch. Das Produktreglement für den Zusatz ECO (aktuelle Version 2023.1) beschreibt das Vorgehen, die Zusammenarbeit der beteiligten Stellen, den Zertifizierungsablauf, die Gebühren sowie die Bewertungssystematik (die Ausschlusskriterien, die Vorgaben und die Bewertungsmethodik) und die erforderlichen Nachweise.

Vorgabekatalog
Der Vorgabekatalog (aktuelle Version 2023.1, Ausgabe Januar 2025) regelt die Vorgaben detailliert. In den einzelnen Vorgaben sind die planerischen und baulichen Anforderungen beschrieben. Zusätzlich zu den einzelnen Vorgaben sind die Bewertung, Bemerkungen, Hilfsmittel, Antworten zu typischen Fragen und die Zuordnung zum entsprechenden BKP, ein Vorschlag für die Zuständigkeit und Hinweise für die Umsetzung enthalten.

Vorgaben zu Gebäudegrün
Diese Vorgabe sieht zwei Stufen der Bewertung vor. Stufe eins ist die Begrünung bei Dach oder Fassade und Stufe zwei die Begrünung bei Dach und Fassade.

  1. Umgebungsgestaltung: Bestehende standorttypische Naturwerte auf dem Grundstück und in direkt angrenzenden Bereichen werden erfasst und die Umgebungsgestaltung darauf abgestimmt. Schutzwürdige oder wertvolle Objekte und Landschaftselemente bleiben erhalten.
  2. Ökologischer Umgang mit Regen- und Grauwasser: Es werden Massnahmen zum ökologischen Umgang mit Regen- bzw. Grauwasser umgesetzt. Ziel ist eine Reduktion der vom Grundstück abfliessenden Meteorwassermenge und des Frischwasserbedarfs. Bei Neubauten sind mindestens drei beziehungsweise bei Erneuerungen mindestens zwei der folgenden Massnahmen umzusetzen. Bei Bauten ohne Umgebung gelten sie nicht.
    1. – Versickerung von unverschmutztem Meteorwasser wenn möglich vor Ort über eine belebte Bodenschicht
    2. – Sickerfähige Beläge beispielsweise für Wege, Plätze, Fahrflächen, Parkplätze usw.
    3. – Retention beispielsweise durch Dachbegrünung, unversiegelte Geländemulden, Feuchtbiotope usw.
    4. – Nutzung von Regenwasser beziehungsweise behandeltem Grauwasser zur Gartenbewässerung
    5. – Nutzung von Regenwasser beziehungsweise behandeltem Grauwasser für WC-Spülung, Waschmaschine und/oder gewerbliche Zwecke
  3. Oberflächen mit geringem Erwärmungspotenzial: Die flächengewichtete Albedo von nicht begrünten Flachdächern beträgt mindestens 80 Prozent, diejenige von geneigten Dächern und nicht begrünten Belägen in Aussenbereichen mindestens 35 Prozent und diejenige von opaken Fassadenflächen mindestens 70 Prozent. Die Albedo bezeichnet das Rückstrahlvermögen von Oberflächen. Photovoltaik-Dächer und -Fassaden sind von der Berechnung ausgenommen und erfüllen die Vorgabe.
  4. Dach- und Fassadenbegrünungen: Nicht begehbare Flachdächer weisen eine ausreichend dicke, divers angelegte Substratschicht mit Strukturelementen auf und sind standortgerecht sowie artenreich begrünt (auch bei Photovoltaik-Belegung). Fassaden- oder Aussenwandflächen bis zu einer Höhe von zehn Metern über Terrain sind mit bodengebundenen Bepflanzungen begrünt. Es erfolgt keine Bewässerung mit Trinkwasser.

Weitere Vorgaben
Den Zusatz ECO definieren weit mehr Vorgaben als in diesem Artikel beschrieben. Für eine Erneuerung oder einen Neubau empfiehlt sich, alle Vorgaben zu prüfen und die Umsetzung dem Projekt anzupassen. Die Zertifizierungen lassen Spielraum zu. In den beiden Bereichen Gesundheit und Ökologie muss je ein Mindesterfüllungsgrad von 50 Prozent der maximalen Punktzahl erreicht werden.

Vielseitige Nutzung der Dachflächen. Eine artenreiche Begrünung von Flachdächern bietet eine vielseitige Nutzung der Fläche. © Triflex GmbH

«Dach- und Fassadenbegrünungen gehören zu ECO, der erlebbare Nutzen davon ist gross. Die konkrete Umsetzung der Gebäudebegrünung wird auf das jeweilige Projekt abgestimmt.»

Silvia Gemperle, Leiterin Energiestrategie
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