
Seelenfutter: Für statt gegen
Manchmal komme ich mir vor wie in einem Krieg. Kaum ein Tag ohne Kampf gegen irgendetwas. Alle scheinen im Kampfmodus zu sein. Und das immer gegen etwas.
Verband
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Der Kampf gegen steigende Krankenkassenprämien, gegen Fleischkonsum, gegen CO2, gegen Übergewicht, gegen Flugreisen, gegen Boni, gegen die Linken oder die Rechten, gegen Interessengruppen, gegen Einzelne, gegen die Armut und gegen die Konkurrenz. Eine Endlosliste. Ob das auch funktioniert? Das tut es meist nicht. Ein Beispiel: Trotz jahrzehntelangem Kampf gegen Armut verarmen weltweit immer mehr Menschen und in Europa wird der Mittelstand dem Scheiterhaufen zugeführt. Ich frage mich schon lange, warum Menschen meist gegen etwas kämpfen und selten für etwas einstehen.
Befindet sich jemand im Kampfmodus, sendet das Gehirn über die Nervenbahnen des vegetativen Nervensystems Impulse an das Nebennierenmark. Dort lösen sie eine schlagartige Freisetzung von Adrenalin aus, was die sofortige Erhöhung des Herzminutenvolumens und der Atemfrequenz bewirkt. Kein Mensch hält das im Dauerzustand aus.
Der Kampf gegen irgendetwas schafft zudem Polaritäten. Man erzeugt Gewinner und Verlierer, erschafft Gut und Böse und zählt sich selbst natürlich zu den Guten. Wer gegen etwas kämpft, der riskiert, in einen Tunnelblick zu geraten, sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr und erstickt so seine Kreativität im Keim. Wer gegen etwas kämpft, führt diesem «Etwas» zudem Energie zu und macht «es» immer stärker. Kein Wunder, dass es immer mehr «Ausgebrannte» gibt.
Was wäre die Alternative? Sich einsetzen für etwas. Der Unternehmer, der nicht mit allen Mitteln die Konkurrenz bekämpft, sondern sich mit aller Kraft für das Wohlergehen der eigenen Unternehmung einsetzt. Das hat doch eine ganz andere Energie, oder nicht?
«Wer gegen etwas kämpft, führt diesem ‹Etwas› zudem Energie zu und macht ‹es› immer stärker. Kein Wunder, dass es immer mehr ‹Ausgebrannte› gibt.»
Beat Brülhart
