
Fachtagung «Steildach» in Regensdorf: Wo Tradition auf Transformation trifft
Die Technische Kommission Steildach hat zur Fachtagung eingeladen – und die Gebäudehüllen-Profis besetzten den Saal bis auf den letzten Platz.
Verband
Text: Jessica Nigg | Fotos: Gebäudehülle Schweiz
Michael Baur, Präsident der Technischen Kommission Steildach, begrüsste rund 300 Teilnehmende und fand sogleich klare Worte zur aktuellen Lage, indem er daran erinnerte, dass die Suche nach Fachkräften derzeit wohl die grösste Herausforderung der Branche sei. «Seid euch eures Wertes bewusst», mahnte Baur deshalb und zeigte sich überzeugt: «Das Steildach hat immer Konjunktur.»
Politische Weichenstellungen und Nachhaltigkeit
Den Auftakt der Referate bildete eine Einordnung der aktuellen politischen Lage. Cristina Schaffner, die Direktorin von Bauenschweiz, beleuchtete die Bemühungen zum Bürokratieabbau. Für die Branche sei die Entlastung bei Baubewilligungsverfahren ein zentraler Hebel, um die Effizienz in der Planung zu steigern. In ihrem Referat belegte Schaffner zudem mit Kennzahlen die Relevanz des Sektors für die gesamte Schweizer Wirtschaft: Bauenschweiz, der Dachverband der Bauwirtschaft, zu dem auch Gebäudehülle Schweiz gehört, vertritt demnach rund eine halbe Million Beschäftigte, welche zwölf Prozent des Bruttoinlandprodukts erwirtschaften. Die Bauwirtschaft bietet auch einen Fünftel aller Lehrstellen in der Schweiz an.
Silvia Gemperle, die Leiterin Energiestrategie von Gebäudehülle Schweiz, referierte über das Thema Kreislaufwirtschaft. Dabei geht es unter anderem um Netto-Null; Gemperle betonte, dass Materialkreisläufe nicht nur als theoretisches Ziel formuliert werden dürfen, sondern konsequent in der täglichen Modernisierungspraxis zur Anwendung kommen müssen. Die Fachzeitschrift GEBÄUDEHÜLLE berichtet laufend über die Themen der Energiewende. Dies nachzulesen, lohnt sich.Photovoltaik: Sicherheit und Haftung Ein Schwerpunkt der Tagung lag auf der Integration der Photovoltaik. Michael Baur referierte zur dauerhaften Betriebssicherheit von Photovoltaik-Anlagen – ein Thema, das angesichts der wachsenden Zahl an Installationen an Bedeutung gewinnt (siehe Seite 28). Nach einer ersten intensiven Fragerunde und Impulsen der Bildungspartner Ampack und Velux nutzten die Teilnehmenden die Pause für den direkten Austausch in der Partnerausstellung.
Handwerkliche Sorgfalt und Arbeitssicherheit
Tom van Egmond (links oben) spannte den Bogen von der Asbestsanierung bis zur modernen Zugangstechnik. Für ihn war es ein besonderer Auftritt: Es war sein letztes Referat bei einer Fachtagung als Leiter «Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz», bevor er sich in den Ruhestand verabschiedet. Ende Januar 2027 übergibt van Egmond die Position an Stefan Meister. Dass das Steildach trotz aller Technik ein Präzisionshandwerk bleibt, verdeutlichte Marco Röthlisberger, Leiter Technik und Mitglied der Technischen Kommission Steildach (rechts oben). Er zeigte auf, welches Schadenpotenzial in unterschätzten Mindestneigungen von Dächern steckt (nachzulesen in der Ausgabe 4 | 26). Daniel Brupbacher, Mitglied der Technischen
Kommission Steildach, ergänzte dies mit harten Fakten zum Hagelschutzwiderstand verschiedener Materialien.
Für die nötige rechtliche Orientierung sorgte Jérôme Egli, Mitglied der Betriebswirtschaftskommission (Mitte, Seite 27): Sein Exkurs zu Garantien und Risikomanagement bot den Unternehmern wertvolle Leitplanken für den Betriebsalltag. Ein weiterer Informationsblock der Partner Flumroc und Prefa rundete das Vormittagsprogramm ab.



Neue Ein- und Ausblicke gewonnen
Nach einem reichhaltigen Mittagessen ging es am Nachmittag mit einem Blick über den Teller- beziehungsweise Dachrand hinaus weiter. Zita Langenstein – eine Butleresse – erzählte kurzweilig und humorvoll über ihren Werdegang sowie ihre Werte und ihr Verständnis des Begriffes «dienen». Dabei zeigte sich, dass es durchaus Schnittstellen mit der Gebäudehüllen-Branche gibt, und Langenstein verriet sogar das Geheimnis erfolgreicher Kundenbindung (Aufmerksamkeit!). Die Teilnehmenden liessen sich gerne inspirieren und bedankten sich bei der Leiterin Ausbildung von GastroSuisse mit langanhaltendem Applaus.
Einen weiteren Höhepunkt des Tages bot das anschliessende Referat von Andreas Meyer, Mitglied des Zentralvorstandes von Gebäudehülle Schweiz und Präsident des Bildungszentrums Polybau (Mehr zu diesem Referat siehe Box links). Er bewies, dass Führung durch Vorbild keine Floskel sein muss: Im Alter von 44 Jahren und als Geschäftsführer der Emil Landrath AG nahm er sich die Zeit und absolvierte eine Lehre als Solarinstallateur EFZ. «Wer kann schon von sich behaupten, bei der ersten Durchführung einer neuen Lehre dabei gewesen zu sein?», freute sich Meyer, der den Altersdurchschnitt seiner Klasse 2024/25 wohl etwas gehoben hat. Er könne diese Erfahrung nur weiterempfehlen – auch Chefs. Dies sei durchaus möglich, so unentbehrlich sei man gar nicht: Er habe sich an die Devise «Kill the Boss» gehalten und festgestellt, dass sein Teamauch ohne ihn bestens funktioniert habe. Zum Abschluss verglich Andreas Bohren in seinem Referat wissenschaftliche Prüfungen zur Praxistauglichkeit mit den realen Bedingungen auf der Baustelle. Interessante Einblicke gewährte auch Reto Nussbaumer, Präsident der Technischen Kommission Solar | Energie, mit Blick auf den Brandschutz bei Solaranlagen. Den fachlichen Schlusspunkt setzte Reto Grütter, Mitglied der Technischen Kommission Steildach. Er analysierte Fehlerquellen am Steildach. Dabei unterstrich er die Notwendigkeit einer fehlerfreien Planung. Mit dem Blick nach vorn verabschiedete Michael Baur die Gebäudehüllen-Profis – nicht ohne bereits die nächste Fachtagung «Steildach» anzukündigen: Am 27. April 2028 trifft sich die Branche wieder in Regensdorf.

Zita Langenstein ist Leiterin Weiterbildung bei GastroSuisse und als Butleresse für verschiedene Kundengruppen tätig. Sie profilierte sich ausserdem als Speakerin und Referentin. Erfahren Sie mehr über sie über den Link. https://zitathebutler.ch
Zita, the Butler
