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Ein Spieltempel für Kinder

Ein Spieltempel für Kinder

In Horn am Bodensee realisierte Lukas Imhof mit seinem gleichnamigen Architekturbüro einen Kindergarten-Neubau, der sich an das umliegende Bauensemble anlehnt.

Aus der Praxis

Architekturfotografie: Hannes Heinzer | Fotos der Umgebung: Kasia Jackowska

Aufgeteilt in einen Grossraum und Rückzugsnischen, sorgen klare Strukturen, eine gelungene Lichtführung und ein prägnantes Farbkonzept für optimale Bedingungen für die Kinder. Zentrale Elemente für die Raumwirkung sind zwölf Flachdach-Fenster von Velux, die durch runde Deckenöffnungen Licht in die Tiefe des Gebäudes bringen.

Die Bauten der englischen Arts- and Crafts-Bewegung, der deutschen Reformarchitektur und des schweizerischen Heimatstils mit ihren zentralen, hohen Hallenräumen und farbigen Nischen dienten Lukas Imhof als Inspiration für das Raumkonzept des Kindergartens in Horn. Im Jahr 2014 gewann das Architekturbüro den Wettbewerb in Horn für die Renovation und Erweiterung einer Schulanlage mit Mehrzweckhalle, Wohnung der Hauswärtin und Kindergarten, wobei Letzterer neu gebaut werden sollte. «Wir haben uns dem Ensemble verpflichtet gefühlt – ein stimmiges Ganzes war uns wichtiger als eigene architektonische Vorlieben», sagt Lukas Imhof. Der Kindergarten als kleinster und jüngster Baustein sollte sich in dieses Gesamtbild einordnen – und führt es mit verputzten Backsteinwänden und einem Sichtbetondach auch konstruktiv fort.

Grosse Fassadenfenster bieten den Kindern einen optimalen Blick nach draussen.

Wechselspiel aus Grossraum und Nischen
Der Haupteingang zum Grundstück sowie jener zum Kindergarten befinden sich in der südöstlichen Ecke. Eine grosszügige Garderobe mit Eckverglasung führt direkt in den Hauptraum des Gebäudes. Im Inneren des Kindergartens entstand ein zenital belichteter hoher Raum als zentrales Klassenzimmer. An den zentralen Raum sind die im Raumprogramm vorgesehenen Funktionen in Form von Nischen angegliedert – sie vermitteln zwischen Hauptraum und Fassade. Dazu gehören eine Bastelnische, eine Schrankzeile mit integrierter Küche, eine Familiennische sowie eine Leseecke. Den einzelnen Bereichen wurden klare Nutzungen zugeordnet – dennoch bleiben sie flexibel und können – je nach den Bedürfnissen der Nutzenden – unterschiedlich bespielt werden. «Kinder erleben Räume ganz anders: Sie schauen anders, entdecken Nischen, Ecken, Lichtspiele», erklärt Lukas Imhof seine Faszination für den Bau von Kindergärten.

Überlegte Lichtführung
Der ruhige Wechsel geschlossener und grosser, verglaster Flächen bestimmt das Fassadenbild, während für die Raumwirkung im Innern die zwölf Dachöffnungen, die Licht in die Tiefe des Gebäudes lassen und die verbauten Materialien und eingesetzten Farben zur Geltung bringen, verantwortlich sind. «Die unterschiedlichen Glanzgrade der Materialien habe ich gezielt eingesetzt, um das Licht differenziert wirken zu lassen und subtile räumliche Effekte zu erzeugen», kommentiert Lukas Imhof. Das Licht von oben prägt den Hauptraum des Kindergartens. Es ist nicht das erste Projekt, bei dem das Architekturbüro Produkte von Velux einsetzt, jedoch das erste, in dem diese strukturell notwendig und somit zentrales Entwurfselement sind. Elf runde Öffnungen für Flachdachfenster wurden in gleichmässigen Abständen im zentralen Raum angeordnet, drei weitere – quadratische – in den Nebenräumen. Die Anzahl der Lichtöffnungen ergab sich nicht aus technischen Anforderungen, sondern wurde aus ästhetischen Überlegungen bestimmt. Und dies mit grossem Erfolg, wie die Raumwirkung zeigt. Wo man zwischen Lichtkuppeln üblicherweise Leuchten oder Lüftungselemente erwarten würde, bleibt die Decke in diesem Fall glatt und ruhig.
Ursprünglich wünschte sich Lukas Imhof runde Oberlichter. Letztlich entschied er sich jedoch für die erprobte, viereckige Lösung von Velux. Den Wunsch nach Kreisformen in der Decke hat er dennoch nicht aufgegeben: Eine eigens entwickelte Übergangsform verbindet die quadratische Grundform der Fenster mit der runden Öffnung im Innenraum. Obwohl sich diese Form mathematisch einfach beschreiben lässt, erforderte die Anbringung kreisrunder Oberlichter unter den quadratischen Flachdachfenstern einiges an handwerklichem Geschick. Flüssiger Gips wurde über eine CNC-gefräste Form gegossen und mit Netzen armiert. Aus den so entstandenen, viertelkreisförmigen Elementen wurden auf der Baustelle die Oberlichter zusammengesetzt. Zusätzlich wurden Leuchten in den Elementen der Oberlichter angebracht, wodurch das künstliche Licht derselben Quelle wie das Tageslicht entspringt und dieses bei Dämmerung dezent ergänzen und sich stufenlos mit ihm vermischen kann. Die kreisförmigen Lichtquellen ziehen sich als Motiv durch das gesamte Gebäude. Auch alle weiteren Leuchten, innen wie aussen, sind rund. Die Zuluftöffnungen wurden wie ein Ornament entlang des Deckenfrieses im Hauptraum eingefügt. Sie wirken elegant, obwohl es handelsübliche, runde Gitter sind. Hinter den Deckenleuchten wiederum verbergen sich einfache Abluftschlitze. So ist die komplette Technik subtil in die Architektur integriert. «Das Licht von oben ist optimal – tagsüber braucht es kaum künstliche Beleuchtung. Bei starker Sonne sorgt die Verschattung der Velux Dachflächenfenster für angenehmes Licht. An anderen Tagen tanzen kleine Lichtreflexe durch den Raum», sagt Lukas Imhof.

Die ruhige Einfachheit, die der Kindergarten Horn ausstrahlt, zieht sich durch alle Facetten des Baus

Auszeichnung beim Velux Architektur-Wettbewerb
Auch in Fachkreisen fand der praxiserprobte Kindergarten von Lukas Imhof hohe Anerkennung. Die ruhige Einfachheit, die der Kindergarten Horn ausstrahlt, zieht sich durch alle Facetten des Baus, befand die Jury des «Velux Architektur-Wettbewerb 2025», bei dem das Projekt den zweiten Platz belegte. Unterschiedliche Höhen, Farben, Materialien und Lichtqualitäten gliedern den Raum und geben ihm Halt, während das Wechselspiel aus Grossraum und Rückzugsnischen eine Vielzahl von Nutzungsoptionen für unterschiedliche Bedürfnisse erzeugt. Tageslicht erhalte der zentrale Raum auf zwei Wegen, wobei die raumhohen Verglasungen Raumabschluss und eleganter Übergang zwischen innen und aussen zugleich seien, würdigte die Jury das Projekt. Die kreisrunden Deckenausschnitte erzeugen ein angenehmes, dezentes Licht und der Übergang zwischen diesen und den rechteckigen Flachdachfenstern ist geometrisch und handwerklich gekonnt gelöst und konnte so auch die Experten überzeugen. Somit besteche das Projekt durch eine konsequente architektonische Haltung und eine geschickte räumliche Organisation mit einer klaren Struktur, einer sinnvollen Lichtführung und einem prägnanten Farbkonzept, befand die Jury, bestehend aus namhaften Architekten und Christian Krüger von Velux Deutschland.

«Die unterschiedlichen Glanzgrade der Materialien habe ich gezielt eingesetzt, um das Licht differenziert wirken zu lassen und subtile räumliche Effekte zu erzeugen… Wir haben uns dem Ensemble verpflichtet gefühlt – ein stimmiges Ganzes war uns wichtiger als eigene architektonische Vorlieben.»

Lukas Imhof, Architekt

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