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«Ein anderer Beruf als Dachdecker kam für mich nicht infrage»

«Ein anderer Beruf als Dachdecker kam für mich nicht infrage»

Der leidenschaftliche Dachdecker Michel Pasquer wechselte mit 50 als Instruktor zu Polybat in Les Paccots, wo er auch nach seiner Pensionierung in Teilzeit tätig ist.

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Text und Fotos: Michael Staub

Michel Pasquer stammt aus Saint-Hilaire-du-Harcouët, einer Gemeinde in der Normandie. Dort ist er gewissermassen auf den Dächern aufgewachsen. «Wir sind eine Familie von Dachdeckern. Bereits während der Schulzeit haben meine Brüder und ich in den Ferien im Familienbetrieb ausgeholfen und auf den Dächern gearbeitet», berichtet er. Der Beruf gefiel ihm auf Anhieb, «ich habe nie versucht, etwas anderes zu machen». Die Arbeit unter freiem Himmel sei ein wichtiger Grund, meint Michel Pasquer, aber nicht der einzige: «Auf dem Dach ist man unabhängig. Als Dachdecker kontrolliert uns niemand. Wir können in Ruhe unsere Arbeit machen. Das gefällt mir sehr.» 

Als gelernter «ardoisier» arbeitet Michel Pasquer bis heute sehr gerne mit Naturschiefer.

Schiefer und Schulungen
Die Berufswahl war damit auf Anhieb klar. Von 1973 bis 1976 absolvierte Michel Pasquer die Lehre als Dachdecker in der Firma seines Vaters. Er erinnert sich gerne an diese Zeit: «Ich konnte den Beruf im Detail kennenlernen und mir viele wichtige Fähigkeiten aneignen.» Im Jahr 1978 belegte er die sechsmonatige Ausbildung zum «ardoisier», zum Naturschiefer-Spezialisten, in der bekannten Schule von Angers (F). 1981 zog Michel Pasquer in die Schweiz, um andere Arbeitsmethoden kennenzulernen. Er berichtet: «Ich habe sehr viele Kurse und Fortbildungen besucht, die meisten davon in Uzwil im Bildungszentrum Polybau. Ob Unterdeckungen, Dämmstoffe oder Flachdächer – wenn es etwas Neues gab, habe ich mich angemeldet. Ich wollte immer wissen, wie es weitergeht, was es in unserem Handwerk für Fortschritte gibt.»
Stück für Stück arbeitete sich Michel Pasquer im Dachdeckerhandwerk hoch, «vom Lehrling zum Arbeiter, danach zum Bauführer Gebäudehülle und schliesslich zum eidg. dipl. Dachdecker-Polier». Gut 28 Jahre lang blieb er in derselben Firma, der Linsig SA in Montreux. 2009, im Alter von 50 Jahren, war die Zeit für etwas Neues gekommen. «Ich hatte die Möglichkeit, als einer der ersten Fachlehrer am Bildungszentrum Polybat in Les Paccots tätig zu werden. Diese Chance hat mich begeistert. Nach so vielen Jahren auf dem Bau mein Wissen an junge Leute weiterzugeben, empfand ich als schönen Abschluss meiner Berufslaufbahn.» Bereits während seiner Tätigkeit bei der Linsig SA war Michel Pasquer als Lehrlingsverantwortlicher tätig. Die Arbeit mit angehenden Berufsleuten gefällt ihm bis heute: «Ich verstehe mich gut mit den Jungen und gebe ihnen gerne mein Wissen weiter.»

Vielseitig interessiert
Ein eigentliches Lieblingsfach hat Michel Pasquer nicht: «Ich unterrichte gerne ein bisschen von allem – praktisches Arbeiten, Zeichnen, Rechnen und Berufskunde. Gerade bei Letzterem kann ich viele Anekdoten aus meiner Praxis einbringen. Das kommt sehr gut an. Denn in den Lehrbüchern und auf den Arbeitsblättern sind die zu lösenden Details immer sehr klar. Auf der Baustelle gibt es aber viele verschiedene Situationen, und darauf kann ich dann mit ergänzenden Lösungen eingehen.» Gegenüber seiner eigenen Lehrzeit und Berufstätigkeit gebe es heute eine gewisse Verengung, beobachtet Michel Pasquer: «Heute spezialisieren sich viele Dachdeckerunternehmen auf bestimmte Systeme. Viele unserer Lernenden sagen, dass sie gewisse Materialien oder Systeme noch nie gesehen haben und diese auch nicht einsetzen. Das bedauere ich ein bisschen, denn es macht die Arbeit weniger abwechslungsreich.»
Bei der Begleitung der Lernenden am Bildungszentrum Polybau ist nicht nur Michel Pasquers Praxiswissen gefragt, sondern auch sein Talent für das Coaching. «Die jungen Berufsleute sind nicht schlechter, als wir es damals waren. Man muss sie vielleicht etwas häufiger an den Lernstoff erinnern und bestimmte Dinge ein paar Mal wiederholen, bis sie sitzen. Doch wenn man will, dass die Lernenden erfolgreich sind, müssen sie auch Ausdauer zeigen.» Die Bildungssystematik der Gebäudehüllen-Profis biete sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten, meint Michel Pasquer: «Nach dem EFZ kann man sehr schnell Objektleiter, Bauführer oder gar Meister werden. Ich denke, dass mehr Leute unseren Beruf ergreifen würden, wenn sie besser Bescheid darüber wüssten. Das Dachdeckerhandwerk hat eine goldene Zukunft. An Arbeit wird es uns nie mangeln.»

Engagement mit Ausdauer
Die Arbeit am Bildungszentrum Polybau gefällt Michel Pasquer bis heute: «Die verschiedenen Gewerke stehen miteinander in Verbindung. Wir sind nicht Einzelkämpfer, sondern können Synergien ausschöpfen.» Obwohl er vor zwei Jahren das Pensionsalter erreicht hat, unterrichtet er weiterhin. «Weil einige Instruktorenstellen noch nicht besetzt werden konnten, arbeite ich derzeit noch 50 Prozent. Ab Sommer 2025 möchte ich dann auf 40 Prozent reduzieren und dann irgendwann ganz in Pension gehen.»
An Freizeitbeschäftigungen mangelt es dem engagierten Fachmann nicht: «Ich wandere viel und mache neuerdings auch Trailrunning. Bald steht ein 19-Kilometer-Trail mit 1 100 Höhenmetern an – für solche Distanzen muss ich natürlich konsequent trainieren. Daneben kümmere ich mich um den Unterhalt verschiedener Bergwanderwege in der Umgebung von Villars-sur-Ollon bis zur Grenze zum Wallis. Auch in unserem Garten oder im Wald arbeite ich gern. Und zwischendurch sitze ich auch gerne mal auf dem Sofa und lese einen guten Krimi.»

«Das Dachdecker­handwerk hat eine goldene Zukunft.
An Arbeit wird es uns nie mangeln.»

Michel Pasquer

Bis heute steigt der Instruktor gerne in die Höhe: «In unserem Beruf bist du frei und kannst in Ruhe deine Arbeit machen.»
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