
Eine Branche im Aufbruch
Die neue Fachtagung «Zukunft Gebäudehülle – Energie und Nachhaltigkeit im Fokus» war ein voller Erfolg. Im Fokus der Referate stand das Thema Netto-Null und vieles mehr.
Energiezukunft

Die Dachdeckerinnen, Fassadenbauer und Gebäudehüllen-Spezialisten sind schon längst zu Akteuren der Energiewende geworden. «Unsere Branche arbeitet jeden Tag an der Erreichung von Netto-Null. Bei der Photovoltaik sind wir sehr gut aufgestellt», sagte Silvia Gemperle, Leiterin Energiestrategie bei Gebäudehülle Schweiz. Nun gehe die Reise weiter: «Wir bauen auch Kompetenzen für Kreislaufwirtschaft und Gebäudebegrünung auf – unser Berufsalltag wird noch vielfältiger und noch spannender.»
Beim Erreichen des Netto-Null-Ziels spielt die Gebäudehülle eine wichtige Rolle. Das betonte Sabine von Stockar, Mitglied der Geschäftsleitung bei Minergie Schweiz: «Das Verwenden von Materialien mit möglichst wenig Treibhausgasemissionen, eine maximale Effizienz der Gebäudehülle sowie das Verwenden von ökologischen Baustoffen sind zentrale Bausteine für den Erfolg.» Der Baustoff Holz kann zum Beispiel regional bezogen werden, ermöglicht gute Dämmung und speichert erst noch CO2.
Gebäudeprogramm bewahren
Das bewährte Gebäudeprogramm ist durch das «Entlastungspaket 27» des Bundesrats akut gefährdet. Unter dem Motto «Fördern statt verpuffen» engagieren sich Gebäudehülle Schweiz und Dämmen Schweiz deshalb gemeinsam für seinen Weiterbestand. «Wärmedämmung ist hocheffizient und unverzichtbar», sagte Damian Gort, Vorstandsmitglied bei Dämmen Schweiz. Es gehe nicht nur um die Reduktion des CO2-Ausstosses, sondern auch um den immer höheren Winterstromverbrauch, etwa durch Wärmepumpen. Könne dieser Stromverbrauch reduziert werden, sinke auch der Bedarf für teure Ausbauprojekte bei Kraftwerken und Stromnetz.
Über die aktuelle Förderlandschaft für Photovoltaik sowie neue Möglichkeiten bezüglich Eigenstromnutzung informierte Wieland Hintz, Verantwortlicher Solarenergie beim BFE. «Fassadenintegrierte Photovoltaik-Anlagen bieten das zweitgrösste Potenzial für solare Stromerzeugung», sagte Wieland Hintz. Die Leistung von Fassaden-Photovoltaik-Anlagen ist zwar geringer als bei dachmontierten Anlagen. Dafür liefern sie im Winter mehr Strom als im Sommer. Besonders interessant: Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, sind Fassadenanlagen ab 2026 bewilligungsfrei. Damit ist der Schweiz eine europaweite Premiere gelungen.
Mehr Grün
«Wir müssen die Fassade neu denken», sagte Fabian Meier von der Schweizerischen Fachvereinigung Gebäudebegrünung (SFG). Eine Begrünung biete Pflanzen und Insekten wertvolle Nischen, fördere die Biodiversität und trage zur «Schwammstadt» bei. Hybride Gebäudehüllen, zum Beispiel die Kombination von Begrünung und Fassaden-Photovoltaik-Anlage, sind besonders wertvoll. Das Thema Wasser inklusive Speicherung und Nutzung muss stets mitgedacht werden, und idealerweise erhalten auch die Insekten mehr Schutz und Rücksicht.
Christoph Harlacher, Vizepräsident der SFG, ging vertieft auf Gründächer ein. «Das Flachdach ermöglicht heute nicht nur Begrünung, sondern auch Stromproduktion, Wassermanagement und Biodiversität.» Das biete grosses Potenzial für spannende Projekte. Mit neuen Systemen wie dem Evapotranspirations-Dach können beträchtliche Wassermengen gespeichert und von den Pflanzen allmählich verdunstet werden. Damit wird die Kanalisation entlastet und der sommerliche Wärmeschutz weiter verbessert.
Ein grosser Erfolg
Die Fachtagung war ein grosser Erfolg. Dies auch dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit den Tagungspartnern Dämmen Schweiz, FFF Schweizerischer Fachverband Fenster- und Fassadenbranche, Holzbau Schweiz, Schweizerische Fachvereinigung Gebäudebegrünung (SFG Grün), Schweizerischer Fachverband für hinterlüftete Fassaden (SFHF), Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmerverband (SMGV) sowie dem Verband Wärmedämmverbundsysteme V-WDVS.
Unterstützt wurde die Fachtagung von energie schweiz. Die Referenten aller Partnerverbände betonten, dass Teamwork der Schlüssel zu erfolgreichen Projekten sei. Denn viele Fragen, die sich einer Branche oder Unternehmung neu stellen, hat jemand anderes bereits gelöst. In diesem Sinne heisst das Motto auch hier: Zusammen gehts besser.
Nach dem erfolgreichen Jungfernflug der neuen Fachtagung wird die nächste Durchführung 2027 erfolgen. Erste Vorbereitungen laufen bereits. Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 folgen detaillierte Informationen zum Programm, zum Durchführungsort und zur Anmeldung in der Fachzeitschrift GEBÄUDEHÜLLE 1–2 | 26 sowie auf den digitalen Kanälen.


