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«Die Weiterbildungen sind unglaublich gut auf die Praxis bezogen»

«Die Weiterbildungen sind unglaublich gut auf die Praxis bezogen»

Bruno Reuter hat sich in kurzer Zeit hochgearbeitet: Zwölf Jahre nach Lehrabschluss arbeitet er bereits an seiner Diplomarbeit als Gebäudehüllen-Meister.

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Text und Fotos: Michael Staub

Inmitten eines charmanten Weinbergs etwas westlich von Neftenbach ZH stehen zwei alte Trotten. Im grösseren der beiden Riegelhäuser befindet sich ein Bistro. Das kleinere Gebäude dient als Museum und wird zurzeit instand gesetzt. Während zwei Malerinnen die Pfosten des Fachwerks mit einem satten Rotton streichen, steigt Bruno Reuter das Fassadengerüst hinauf und betritt das Dach. Dessen historische Biberschwanzziegel wurden von zwei seiner Mitarbeitenden Stück für Stück kontrolliert und sorgsam gereinigt. Der angehende Gebäudehüllen-Meister wirft einen prüfenden Blick auf die Ziegel und die Spenglerarbeiten, nickt zufrieden und sagt: «Solche Projekte machen enorm Freude. Da kannst du als Handwerker dein Bestes geben.» Auf dem Dach wollte Bruno Reuter arbeiten, «seit ich an einer Berufswahlmesse in der Olmahalle den genialen Stand von Polybau gesehen habe». Deshalb schnupperte er gleich an drei Orten Dachdeckerluft: bei der B. Stillhart Dach und Fassaden AG in Wil sowie an den Standorten der Martin Schönenberger AG in Gossau und Schwarzenbach. In Schwarzenbach passte es auf Anhieb und Bruno Reuter erinnert sich gerne an seine Lehrzeit: «Die Abwechslung hat mir sehr gut gefallen. Du deckst drei Wochen lang ein, danach darfst du wieder an einer Fassade arbeiten. Und nach einer Weile auf dem Steildach kannst du wieder mal ein Flachdach abdichten und in der Horizontalen stehen.» Von 2014 bis 2015 machte Bruno Reuter eine Zusatzlehre als Abdichter EFZ und belegte gleichzeitig die Module für den Gruppenleiter Gebäudehülle am Bildungszentrum Polybau.

Praxistaugliche Weiterbildungen
Daneben engagierte sich der junge Dachdecker auch bei den Berufsmeisterschaften. 2016 gewann er in Warschau die Weltmeisterschaft im Abdichten, gemeinsam mit Drin Sadriu von Tecton. Die Verbindung zu dieser Firma sollte später noch wichtiger werden. Vorerst arbeitete Bruno Reuter weiterhin bei der Martin Schönenberger AG und war daneben Dauergast im Bildungszentrum Polybau in Uzwil. Seine Stationen: Objektleiter Gebäudehülle (2017 bis 2018), Bauführer Gebäudehülle (2018 bis 2019) und schliesslich Gebäudehüllen-Meister (seit 2023). Die notwendigen Module hat Bruno Reuter bereits abgeschlossen, die letzte Pendenz ist die Diplomarbeit. «Mir ging es nicht darum, möglichst schnell weiterzukommen. Ich habe aber gemerkt, dass es irrsinnig interessant ist, immer mehr zu wissen», kommentiert Bruno Reuter sein rasantes Tempo. Von Handwerkerinnen und Handwerkern aus anderen Branchen höre man oft, dass ein «Papierli» zwar verlangt werde, dieses aber neben einem höheren Lohn kaum Vorteile bringe. «Beim Polybau ist das anders. Die Weiterbildungen sind unglaublich gut auf die Praxis bezogen. 95 Prozent von dem, was du lernst, brauchst du draussen auf dem Bau», sagt Bruno Reuter. Dieses Wissen Stück für Stück aufzubauen, sei sehr motivierend. Ein weiteres Highlight sei der Austausch mit den anderen Berufsleuten: «Wir sitzen alle im gleichen Boot. Das gilt für die Probleme, denen wir begegnen, aber auch für das, was uns am Beruf so Freude macht.»

Wertvoller Kundenkontakt
2020 wechselte Bruno Reuter als Bauführer Gebäudehülle zum Tecton-Betrieb in Pfäffikon ZH. Eines seiner ersten Projekte war die Hornbach-Filiale in Sirnach TG. «Dort war ich verantwortlich für die Bauführung, insgesamt 14 000 Quadratmeter Flachdach und weitere 7 000 Quadratmeter Tiefgaragen-Abdichtungen. Ein sehr schönes Projekt, an das ich gerne zurückdenke.» 2022 wechselte er zur Beyeler-Suremann AG in Winterthur, einer eigenständigen Gruppengesellschaft von Tecton. Dort übernahm er Anfang 2024 die Geschäftsführung von Jürg Beyeler. Für Bruno Reuter, der sehr gerne bei Wind und Wetter auf dem Dach stand, war die Umstellung nicht ganz einfach: «Ich musste mich zuerst daran gewöhnen, dass ich maximal noch einen halben Tag pro Woche auf den Baustellen bin.» Doch Abwechslung gebe es nach wie vor und zwar durch den Kontakt mit den Kundinnen und Kunden. «Mit den Leuten umgehen und sie so nehmen zu können, wie sie sind, ist zentral. Das lernst du nicht in der Schule, sondern nur durch die Praxis. Es braucht viel ‹Gspüri› und macht den Alltag sehr spannend.»

Klarheit und Wertschätzung
Das Team der Beyeler-Suremann AG umfasst derzeit 18 Mitarbeitende. Deshalb geht der Geschäftsführer oft persönlich bei den Kundinnen und Kunden vorbei, um eine Objektaufnahme zu machen. Auch bei der Auftragsabwicklung ist Bruno Reuter gelegentlich beteiligt. «Ich schaue, dass ich immer wieder mal selbst ein Projekt betreue. So erfahre ich, was funktioniert und was harzt, weiss Bescheid über unsere Kundinnen und Lieferanten und bin am Puls.» Bei der Führung ist Bruno Reuter vor allem eines wichtig: «Wertschätzung ist das A und O. Ich behandle alle Mitarbeitenden gleich, egal, ob sie fest angestellt oder ‹nur› temporär bei uns sind. Und wer gute Arbeit liefert, bekommt von mir ein Kompliment.» Klare Kommunikation und Aufgabenverteilung, eine enge Begleitung der Baustellen und ein offener Austausch bei Problemen sind Bruno Reuter ebenfalls wichtig.

Eine runde Sache
Den Ausgleich zum hektischen Tagesgeschäft findet er mit seiner Frau, mit dem grossen gemeinsamen Freundeskreis sowie mit der Familie. Für Entspannung sorgt die Aktivität auf dem und am Wasser, auf den Skipisten oder in den Bergen. Ab und zu steht Bruno Reuter auch an einer Autorennstrecke, denn sein Bruder Silas fährt beim Renault Classic Cup mit. Leo, ein anderer Bruder, leitet einen Wakeboard-Park in Kambodscha: «Während der Winterferien kann ich dort immer mal wieder Sonne tanken.»

Bruno Reuter liebt die Arbeit bei Wind und Wetter auf dem Dach – auch wenn das im aktuellen Berufsleben seltener vorkommt.
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