
Netto-Null-Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich (NN-THG)
Der Schlussbericht vom Bund zur Netto-Null-Forschung im Gebäudebereich ist veröffentlicht. Er liefert Erkenntnisse und Empfehlungen für alle Beteiligten.
Energiezukunft
Text: Silvia Gemperle | Foto: shutterstock.com
Was bedeutet Netto-Null im Gebäudebereich? So einfach die Frage, so komplex deren Beantwortung. Das Forschungsprojekt hat diese Frage von verschiedenen Seiten untersucht und liefert Antworten dazu. Der Übersichtsbericht ermöglicht einen gut verständlichen Einblick in ein komplexes Thema, während das Faktenblatt der KBOB die wichtigsten Massnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen beschreibt.
Ausgangslage
Für Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2050 hat sich die Schweizer Bevölkerung mit dem Ja zum Klima- und Innovationsgesetz (KIG) entschieden. Gebäude machen einen erheblichen Teil der Emissionen aus. Daher ist es entscheidend, sowohl betriebliche als auch die vor- und nachgelagerten Emissionen, sogenannte Graue Emissionen, zu reduzieren. Die betrieblichen Emissionen werden in naher Zukunft stark abnehmen. Herausfordernd sind die Dekarbonisierung der Produktion und die Entsorgung von Baumaterialien zur Reduzierung der Grauen Emissionen.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Im Bericht steht: «Zur Erreichung von Netto-Null-Gebäuden wurden drei vielversprechende zielführende Strategien identifiziert: erstens eine Reduktion der Bautätigkeit (weniger Neubauflächen, mehr Modernisierungen, effiziente Raumnutzung), zweitens die Optimierung der Gebäudeperformance (Energieeffizienz, bedarfsorientierte Planung) und drittens die Integration von erneuerbaren und emissionsarmen Energieformen und Materialien.» Die Nennung dieser drei Strategien zeigt, wie anspruchsvoll die Anforderung Netto-Null für die Gebäude ist. Um die Netto-Null-Ziele bis 2050 effektiv zu erreichen, ist eine Harmonisierung der Schweizer Gebäudestandards und -labels zielführend und wichtig.
Empfehlungen für Beteiligte
Die Empfehlungen für Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung, Gebäudestandards und Labels, die Industrie und weitere beschreiben auch die vielen offenen Fragen. Einige sind naheliegend, wie zum Beispiel die einheitliche Bilanzierung Grauer Emissionen von Photovoltaik-Anlagen, Kriterien für die Langlebigkeit von Bauteilen und die einfache Verfügbarkeit von Daten zu emissionsarmen Materialien und Bauteilen. Die Industrie wird aufgefordert, die Produktion von emissionsarmen und biogenen Baumaterialien voranzutreiben – was auch klar ist, denn den Gebäudeerneuerungen wird viel Potenzial zugesprochen.
Ausblick
Die Ergebnisse dieser Forschung liefern Grundlagen für Entscheide über zukünftige regulatorische Rahmenbedingungen.
Verschiedene nationale Gesetzgebungen fordern von Bund und den Kantonen eine klare Vorbildfunktion. Das sind der Art. 10 im KIG und der Art. 35j Abs. 2 im USG. Noch ist nicht bekannt, wie diese Vorgaben umgesetzt werden. Für Bund und Kantone können die Gebäudelabels, beispielsweise Minergie-Eco und SNBS-Hochbau, mögliche Lösungen bieten.
Neues Faktenblatt der KBOB
Die KBOB hat das neue Faktenblatt «Graue Treibhausgase bei der Erstellung von Gebäuden» veröffentlicht. Es zeigt Handlungsoptionen für die Reduktion der Treibhausgase auf und erleichtert die Umsetzung. Mit insgesamt acht Seiten Umfang ist das Faktenblatt übersichtlich und motiviert zum Handeln. Zudem beschreibt es die wichtigsten Reduktionsmassnahmen, die sich in der Regel gut miteinander kombinieren lassen.
- Frühzeitig konkrete Ziele setzen: bereits in der Projektentwicklung
- Suffizienz: den Flächenbedarf genau planen, einfache Gebäudetechnik vorsehen, Komfortansprüche hinterfragen
- Materialeffizienz: kompaktes Gebäude mit wenig Aussenfläche, optimierte Glasflächen, sparsame Materialisierung
- Langlebigkeit fordern und Lebensdauer verlängern: robuste Konstruktionen, flexibel geplante Tragstrukturen
- Biogene und natürliche Baustoffe einsetzen: in der Natur und lokal verfügbare Baustoffe nutzen
- Materialien kreislauffähig verbauen: die Systemtrennung ist das A und O
- THG-Intensität reduzieren: emissionsreduzierte Baustoffe einsetzen
- Kaskadennutzung: Mehrfachnutzung anstreben
- Prüfung der Verminderung verbleibender GTHGE mit Negativemissionstechnologie: sich damit auseinandersetzen
Das Faktenblatt definiert auch einen Vorschlag für die Verteilung der Aufgaben bis zur Planung.
