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Bitumenbestandteile – schwarze Rückstände an Fassaden

Bitumenbestandteile – schwarze Rückstände an Fassaden

Nicht alltägliche Geschichten rund um die Verflüssigung von Bitumenabdichtungen, welche ein grosses Schadenpotenzial haben können.

Technik

Text: Renato Burgermeister | Fotos: LPM AG Zürich und Renato Burgermeister

In den letzten Jahren häufen sich bei der Technischen Kommission Flachdach die Schadensuntersuchungen im Zusammenhang mit schwarzen Rückständen an Fassaden, welche üblicherweise von oben abtropfen. Teils stammt das Material aus Brüstungsabschlüssen, teils «fliesst» es unter Balkonbodenplatten hervor und tropft auf die darunter befindlichen Geländer. Allen gemeinsam ist, dass die schwarzen Anhaftungen klebrig sind und an Teer erinnern. Schon aufgrund der Farbgebung und der Materialisierung ist klar, dass es sich in irgendeiner Art um Bitumenbestandteile handeln dürfte. Schnell scheint daher üblicherweise der Schuldige gefunden – die Bitumenabdichtung. Doch ist das die ganze Wahrheit? Nein, so einfach ist die Sache dann doch nicht.

Verflüssigung von Bitumenabdichtungen
Die Beteiligung des Bitumens lässt sich eindeutig nicht negieren, doch wie kann man sich diese «Verflüssigung» dann erklären? Lässt sich eine Bitumenabdichtungsbahn üblicherweise doch nur durch den Einsatz eines Gas- bzw. Schweissbrenners mit mehreren hundert Grad erhitzen und verkleben? Wie sich bei unseren bearbeiteten Schadenfällen gezeigt hat, gibt es dafür aber mehrere Möglichkeiten. Einerseits ist es sicherlich immer wichtig, dass das korrekte Produkt für den entsprechenden Einsatz gewählt wird. Kommt beispielsweise eine Bitumenbahn unter einem Kupferblech bei einem Dachrandabschluss zum Einsatz, welche eine Wärmestandfestigkeit von 100 Grad Celsius oder weniger aufweist, so scheint dies anhand der heutzutage vorherrschenden Bedingungen für diesen Einsatzzweck gegebenfalls ungenügend zu sein. Dies wiederum kann in der Folge dazu führen, dass es im Zusammenhang mit lang anhaltender Temperaturüberbelastung zu einer Art «Verflüssigung» kommt. Je nach Lage kann dies zum Beispiel durch schwarze Tropfen auf der Fassade erkennbar werden. Da nach Norm (SIA 271:2021, Tabelle 12) ein Material mit 100 Grad Celsius Wärmestandfestigkeit jedoch noch zulässig ist (zumindest im Bereich der Unterbahn), wäre zukünftig gegebenenfalls eine Anpassung dieses Normenteils in Betracht zu ziehen.

Bitumenabdichtung unter FLK ist im Bereich des Kitts klebrig und weich geworden.

Einfluss von Systemkompatibilität und Detailausführung
Doch auch wenn die korrekte Bitumenabdichtung verwendet wurde, ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. Auf den gesamten Aufbau kommt es an. Es dürfen auch keine systemfremden Produkte zum Einsatz kommen. In einem interessanten Fall, den wir untersuchen durften, zeigten sich auf Geländern schwarze Tropfen. Diese drangen zwischen Balkonbodenplatte und vorgehängten beziehungsweise mit einem leichten Abstand montierten Balkongeländern hervor. Entsprechend wurde das System von oben näher untersucht, wobei im Übergangsbereich zwischen einer flächig verlegten Bitumenbahn und dem Metallgeländer eine FLK-Abdichtung zum Einsatz kam. Um das Abfliessen respektive Abtropfen des zu Beginn flüssigen FLK-Materials zu verhindern, wurde der schmale Spalt zwischen Metallgeländer und Betonbodenplatte mittels einer einfachen Fuge verschlossen, da man sonst mit entsprechenden FLK-Tropfen auf den darunter befindlichen Geländern hätte rechnen müssen.

Nachstellversuche im Labor
Wie sich bei der Sondierung zeigte, war die Bitumenbahn im vordersten Bereich zum Geländer deutlich aufgeweicht und klebrig. Eine klare und eindeutige Ursache konnte aber auch nach der Sondierung am Objekt noch nicht eruiert werden. Woran lag das nun? Wurde das Bitumen im Bereich des Geländers im Sommer durch die Wärmeübertragung vom Metall her zu warm, war also eine zu niedrige Wärmestandfestigkeit das Problem? Oder kam es eventuell zu einer Interaktion zwischen den verwendeten FLK-Produkten der vorher eingesetzten Grundierung oder war gegebenenfalls gar eine Fehlmischung beim Anmischen des FLK ursächlich? Anhand von diversen Nachstellversuchen im Labor liess sich durch ein entsprechend geplantes Ausschlussverfahren nachvollziehen, welche Komponente im System zum Problem geführt haben muss.

Im Nachstellversuch begann das Bitumen im Kontakt mit dem Kitt abzulaufen.

Achtung: Blechkleber
Wie sich zeigte, war der am Objekt zum Einsatz gekommene Blechkleber im Bereich zwischen Metall und Beton der ausschlaggebende Faktor. Im Nachstellversuch begann das Bitumen im Kontakt mit dem Blechklebematerial schon nach wenigen Stunden im Wärmeschrank abzulaufen. Nun stellte sich allerdings noch die Frage: Was passiert, wenn das ansonsten eher «träge» Bitumen plötzlich Wanderlust entwickelt? Wie weitere Laboruntersuchungen nachweisen konnten, kam es zwischen dem Blechkleber und dem Bitumen zu einer sogenannten Weichmacherwanderung. Blechklebermaterialien sollen elastisch und flexibel sein, weshalb ein grösserer Anteil dieser Materialien aus sogenannten Weichmachern bestehen. Diese Weichmacher haben die Eigenschaft zu migrieren, also zu wandern. Im vorliegenden Fall wanderten diese Kleberbestandteile mit der Zeit aus dem Kitt in den Bitumen und führten zu einer teilweisen Verflüssigung. Wenn also Blechklebermaterial im Kontakt zu Bitumenbahnen zum Einsatz kommen soll, ist es wichtig, dass ein Material verwendet wird, das speziell für diesen Einsatz formuliert wurde. Für eine dauerhaft sichere und wirtschaftliche Ausführung empfiehlt es sich, das Merkblatt von Gebäudehülle Schweiz (Nr. 4 «Dachrandkonstruktionen») zu berücksichtigen. Es bietet wertvolle Hinweise zur Vermeidung von Schäden und unterstützt bei einer fachgerechten Planung. Sollten alternative Produkte zum Einsatz kommen, ist deren Eignung idealerweise im Vorfeld mit dem Hersteller abzuklären. Da die Abdichtungsbahn eine zentrale Schutzfunktion übernimmt, lohnt es sich, der Produktauswahl besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Eine vorausschauende Planung und eine qualitätsgesicherte Produktauswahl sichern nicht nur die Funktionalität, sondern tragen entscheidend zur Werterhaltung und zur Minimierung von Folgekosten bei.

Ungenügende Wärmestandfestigkeit kann zu «Ablaufverhalten» führen.

Auszug aus dem Merkblatt «Dachrandkonstruktionen»: Kapitel 4.1 «Haftungs- und Verträglichkeitstabelle».

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