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PFAS-haltige Produkte können viel – der Umgang damit ist herausfordernd

PFAS-haltige Produkte können viel – der Umgang damit ist herausfordernd

Gebäudehülle Schweiz setzt sich zusammen mit Bauenschweiz und anderen Verbänden für klare Rahmenbedingungen im Umgang mit PFAS ein.

Energiezukunft

Text: Silvia Gemperle | Foto: shutterstock.com

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) umfassen Tausende chemische Verbindungen, welche Fluor beinhalten. Sie können nur äusserst langsam oder gar nicht abgebaut werden und haben Einfluss auf unsere Gesundheit. Den Umgang mit diesen Stoffen zu regeln und Grenzwerte einzuführen ist die logische Folge.

PFAS im Alltag
In unserem Alltag sind diese hoch leistungsfähigen PFAS in vielen Produkten an unterschiedlichsten Orten zu finden. Beispielsweise stecken sie in Lebensmittelverpackungen, Pfannenbeschichtungen, Kartonbechern, Backpapier, WC-Papier, Outdoor-Bekleidung, Skiwachsen, Glasscheiben, Teppichen, Farben, Lacken, Kosmetik, Zahnpflegemitteln und in vielem mehr. Eine Übersicht der Produkte und umfassende Informationen dazu bietet der Konsumentenschutz. Der Online-Ratgeber zeigt, wo die Stoffe vorkommen: im Bad, in der Küche, im Wohnzimmer oder in der Natur (beim Sport). Was einmal auf der Haut ist, ist auch rasch im Körper drin. Wer PFAS noch in seinem Haushalt hat und die Vorsätze für dieses Jahr bereits auf irgendeine Art und Weise vergessen hat, dem sei angeraten, die PFAS-haltigen Produkte aus dem eigenen Haushalt zu verbannen.

PFAS im Bereich Altlasten
Für die Altlastenbearbeitung stellt das Bundesamt für Umweltschutz (BAFU) Informationen zusammen und sucht nach Lösungen. Bei der Untersuchung, Beurteilung und Schadstoffbeseitigung von PFAS-Standorten wie auch beim Umgang mit PFAS-belasteten Abfällen aus Modernisierungen gibt es zahlreiche offene Vollzugsfragen, so das BAFU. Informationen, Dokumente und Links sind auf der Website des BAFU zu finden.

Stark beanspruchte Materialien
An der Gebäudehülle verbaute Materialien sollten äusserst robust und langlebig sein. Sie werden stark mechanisch und chemisch beansprucht, sind UV-Licht, Hitze und Kälte ausgesetzt, manche haben auch mit Wurzeln zu schaffen. Ersetzt man die «Robustmacher-Zusätze»» (das sind wohl meist PFAS) durch alternative Stoffe, sollte dies nicht zulasten der Lebensdauer gehen. Nutzen-Risiko-Überlegungen über Jahrzehnte (der gesamte Lebenszyklus inklusive Herstellung, Rückbau und Wiederverwendung oder Entsorgung) müssen angestellt werden, nicht einfach nur bezüglich der Abwägung PFAS-haltige versus nicht PFAS-haltige Materialien. Die Hersteller sind gefordert, ihre Materialien und Zulieferketten gut zu kennen und zu prüfen. Die üblichen Kältemittel von Kühlschränken, Kühlgeräten und Wärmepumpen beinhalten PFAS-haltige Gase. Auch diese werden stark beansprucht. Es gibt jedoch Alternativen, beispielsweise durch den Einsatz von Propan als Kältemittel.

Die politische Ebene
Der Bundesrat ist durch die politische Motion von Marianne Moret (22.3929) beauftragt worden, spezifische Werte für den PFAS-Einsatz festzulegen. Erwähnt sind:

  1. Grenzwerte und Bedingungen für die Entsorgung von Materialien (Abfallverordnung).
  2. Konzentrationswerte zur Evaluierung der Belastungen des Bodens und der Untergründe (Altlasten-Verordnung und Verordnung über Belastungen des Bodens).
  3. Grenzwerte für die Einleitung in Gewässer.

Begründet wird die Motion mit dem Risiko für die öffentliche Gesundheit. Die zuständige Kommission des Nationalrats – die Kommission für Umwelt, Energie und Raumplanung – nennt in ihrer Stellungnahme weitere Argumente für das Festsetzen von Grenzwerten. Die Kommission schreibt: «PFAS sind äusserst stabile Chemikalien, die von der Industrie seit Jahrzehnten wegen ihrer wasserabweisenden und antiadhäsiven Eigenschaften eingesetzt werden. Bei ihrer Herstellung, Verwendung und Entsorgung gelangen PFAS in die Luft, ins Wasser und in den Boden. Da sie chemisch und thermisch äusserst stabil sind, akkumulieren sie sich mit der Zeit, was zu einer persistenten und weitreichenden Umweltverschmutzung und zu einer Bioakkumulation bei Lebewesen führt.» Erste Vorschläge werden durch das BAFU, in Zusammenarbeit mit den Kantonen, ausgearbeitet. Sie sollen im Sommer 2025 vorliegen.

PFAS in der Schweizer Bauwirtschaft – Stellungnahme von Bauenschweiz
«Bauenschweiz und seine Mitgliederverbände anerkennen den Handlungsbedarf im Umgang und Einsatz von per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) und haben eigene Arbeiten dazu gestartet». Das schreibt Bauenschweiz auf seiner Website. Weiter: «Die Bauwirtschaft ist bereit, mitzuarbeiten, und hat dies sowohl gegenüber dem Bundesamt für Umwelt wie auch den unterschiedlichen öffentlichen Bauherren eingebracht.» Für die Baubranche sind unter anderem folgende Rahmenbedingungen wichtig:

  1. Erarbeitung wissenschaftlich fundierter Daten zu den Auswirkungen des Einsatzes der beschränkten Stoffe.
  2. Klar deklarierte Bezeichnungen und Definition von Richtwerten zu den beschränkten Stoffen.

Die gemeinsame Stellungnahme von Bauenschweiz und Mitgliederverbänden fordert ein einheitliches und pragmatisches Vorgehen. Einige Mitglieder von Bauenschweiz tauschen sich regelmässig zu Themen rund um PFAS aus. Gebäudehülle Schweiz ist mit Silvia Gemperle und Marco Röthlisberger an diesem Austausch beteiligt.

PFAS sind schwer abbaubare Chemikalien mit Gesundheitsrisiken. Eine Regulierung und Grenzwerte sind daher notwendig. Gebäudehülle Schweiz ist sich dessen bewusst und unterstützt die Stellungnahme von bauenschweiz.
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