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Bestand und Ersatz – unter welchen Bedingungen?

Bestand und Ersatz – unter welchen Bedingungen?

Eine Expertenbefragung zeigt, dass der Erhalt von Gebäuden gegenüber Neubauten hoch gewichtet wird für die Minderung von Grauer Energie.

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Text: Dr. Joëlle Zimmerli | Grafiken: Green Building Schweiz

Das Thema «Graue Energie» gewinnt in der Fachwelt stark an Bedeutung. Weil der Ersatz und der Neubau von Gebäuden unter Druck geraten, muss die Bauindustrie ihre konventionellen Vorgehensweisen überdenken. Die Bauindustrie kann allerdings nur dann einen konstruktiven Beitrag an das Weiterbauen mit dem Bestand leisten, wenn Bauherren bereit sind, neue, unerprobte und damit häufig auch teurere Wege zu beschreiten.

Erhalt von Gebäuden versus Neubau
Eine in diesem Frühjahr vom Verein «Green Building Schweiz» durchgeführte Expertenbefragung gibt Aufschluss darüber, wie die Bauindustrie und Bauherren das Thema einschätzen und wo sie Potenziale, aber auch Grenzen sehen. An der Befragung haben 161 Personen teilgenommen. Die Befragten sind mehrheitlich in Führungsfunktionen. Sie decken kleine bis grosse Unternehmen sowie alle Schweizer Regionen ab. Der Erhalt von Gebäuden geniesst bei den Befragten im Vergleich zum Ersatz einen hohen Stellenwert. Für 80 Prozent hat der Erhalt eine eher bis sehr hohe Bedeutung (siehe Grafik 1). Bauherren gewichten den Erhalt höher als die Bauindustrie. Dafür ist die Bauindustrie bedingungsloser: Sie stimmt der Aussage, dass der Erhalt von Bestand und damit von grauer Energie immer besser ist als der Abriss, häufiger eher oder ganz zu als Bauherren (siehe Grafik 2). Die Realität liegt wohl dazwischen: Mit dem Erhalt können zwar Ressourcen geschont werden. Mit dem Ersatz sind jedoch Recycling und Re-Use möglich und es können energieeffizientere Gebäude erstellt werden. Manchmal lohnt es sich, gute Nutzungsstrukturen zu erhalten. Häufiger streben Bauherren an, mit einem Ersatz zeitgemässe Nutzungsstrukturen zu schaffen.

Grafik 1: Bedeutung von Erhalt im Vergleich zum Ersatz. (Quelle: Befragung Green Building Schweiz, n=161)
Grafik 2: Ist Erhalt immer besser als Abriss? (Quelle: Befragung Green Building Schweiz, n=161)

Bauherren im Fokus
Die befragten Bauherren stehen nicht am Anfang, sondern haben vielfältige Erfahrungen mit der Bestandsentwicklung. Fast alle haben Bestand aufgestockt, erweitert oder umgenutzt. Viele haben Bestand ersetzt oder Recycling-Materialien eingesetzt. Weniger Erfahrung gibt es mit neuen Themen wie der Wiederverwendung von Aushub vor Ort und dem Re-Use von Bauteilen. Die Hälfte der Bauherren hat zudem Projekte zurückgestellt, weil sie sich nicht wirtschaftlich realisieren liessen. Die Bauindustrie merkt von ihrer Seite an, dass die mangelnde Zahlungsbereitschaft seitens der Bauherren ein Hindernis für das Weiterbauen mit dem Bestand ist.

Graue Energie versus Wohnraum
Bei der Diskussion um graue Energie darf auch nicht vergessen gehen, dass Gebäude in erster Linie für Nutzer und nicht als Selbstzweck erneuert und erstellt werden. Bauherren und Bauindustrie sind sich einig, dass die Reduktion der Wohnungsknappheit in der künftigen Debatte ein gleiches Gewicht erhalten wird wie die Reduktion von grauer Energie. Die Wohnungsknappheit lässt sich allerdings nicht mit dem Bestandserhalt lösen. Die Diskussion um graue Energie muss deshalb immer im Spannungsverhältnis mit der Schaffung von zusätzlichem Wohnraum geführt werden.

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